Kleists Novelle ist eine ungemein
dichte Erzählung, ein nicht pausierender Strom aus Handlungen, juristischen
Reflektionen und Schlachten – auf dem Höhepunkt des unglaublichen Geschehens setzt
Kohlhaas zusammen mit seinen Knechten in einer wilden Rebellion eine ganze
Stadt in Brand.
Gegenstand der Novelle ist, nach
einer Definition Johann Wolfgang von Goethes, "eine sich ereignete
unerhörte Begebenheit", eine Begebenheit also, die einen gewissen Anspruch
auf Wahrheit erhebt und von etwas Neuem oder Außergewöhnlichem erzählt.
Die Novelle beginnt zunächst
poetisch, melodisch und romantisch. Ein beobachtender, alleswissender Erzähler
ist es, der von Michael Kohlhaas erzählt. Zuerst ruhig dahinfließend erzählt
Kleist von dem Mann, der einst lebte, recht bewegend. An den Worten ist zu
spüren, dass sein Leben bisher ohne Zwischenfälle verlief. Dann steigert sich
das Tempo:
"Er hielt, in einem
Augenblick, da eben der Regen heftig stürmte, mit den Pferden still, und rief
dem Schlagwärter, der auch bald darauf, mit einem grämlichen Gesicht, aus dem
Fenster sah."
Hier kommt Unheil auf,
Gewitterwolken, Blitz und Donner stecken zwischen den Zeilen, es verheißt
nichts Gutes. Kohlhaas Leben nimmt im Alter von 30 Jahren eine Wende. .
In den Worten "Nun - Was bin
ich schuldig?" steckt Widerstand, Auflehnung, Aufbäumung. Die Sätze sind
leicht verständlich und flüssig zu lesen. Die Satzstellung selbst ist obsolet und
vielleicht der Zeit des 16. Jahrhunderts angepasst.
»Michael Kohlhaas« ist eine dokumentarische Erzählung im Stile einer
Chronik. Dies hat Auswirkungen auf den Erzählstil. In der Absicht
dokumentarisch genau zu erzählen, greift Kleist oft zu verkürzten Sätzen. Er
bevorzugt beim Wortgebrauch Latinismen, d. h. lateinische Ausdrücke, wie sie
alte Chronisten und Juristen gebrauchen.
Kleist verwendet direkte Reden
und Dialoge und wendet auch den Gedankenbericht an, wörtliche Rede eingebunden
im Gefüge des gesamten Satzes, Nebensätze mit ständigen Unterbrechungen durch
nähere Erläuterungen
Kleist ist bekannt für einen
kurzen und prägnanten Stil, der sich auch in diesem Werk zeigt. Man spricht
auch von syntaktischen Verkürzungen. Dennoch ist diese Novelle geprägt von
vielen Nebensätzen, was teilweise das Lesen etwas erschwert. Durch ein erhöhtes
Vorkommen von Verben entsteht zudem beim Lesen der Eindruck eines
Vorwärtsdrangs.
Oft legt Kleist sehr genau die
Körpersprache der einzelnen Personen dar. Dies veranschaulicht die einzelnen
Personen. Der Schöpfer nutzt dies aber auch, um Stärken und Schwächen der
einzelnen Personen zu veranschaulichen und einen Kontrast zwischen den Personen
darstellen indem er deren Mimik und Gestik genau beschreibt. Auch zwischen
einzelnen sozialen Schichten wie z.B. den Adligen und den Bürgern, in der
Person von Kohlhaas, kommt es zu einer detaillierten Darstellung der unterschiedlichen
Körpersprachen, um die unterschiedlichen Handlungen zu verdeutlichen.
Dies dient also maßgeblich zur körperlichen
Veranschaulichung der Handlung. Die Gedankenwege seiner Protagonisten legt von
Kleist dabei entweder als fertig formuliert dar oder lässt sie sich erst beim
Lesen entfalten, so dass der Leser die Entscheidungen der Handlungsträger und
deren Entwicklung nachvollziehen kann.
Kleist arbeitet in seiner Novelle
vielfach mit Leitmotiven und Symbolen, die mehrfach im Text vorkommen und die Handlung
verstärken sollen.
Ein Symbol ist das Paar Pistolen.
Das Paar Pistolen ist ein Spiegelbild seiner gegenwärtigen Lage, den auch beim
Treffen mit Luther greift er zu unverhältnismäßigen Mitteln, wie schon im
ganzen Verlauf der Geschichte.
Ein anderes verwendetes Symbol
ist das Pferd als Symbol der Stärke bzw. auch als Symbol für Kohlhaas selbst, welcher
mit den Tieren regen Handel treibt.
In einem anderen Werk benutzt er
die Symbolik des zerbrochenen Kruges, der solange zum Brunnen geht bis er
zerbricht - eine Metapher des Unnützen, die hier übertragen wird. Kombiniert
man beide Werke, dann wird daraus offensichtlich, dass die Privatvendetta des
Junkers unnütz gewesen ist. Noch unnützer und hilflos sowie korrupt und
manipuliert ist vor allem auch schon damals das völlig versagende Rechtssystem.
Die Personen im Stück treten im
Verlauf der Handlung immer wieder ans Fenster. Dabei zeigt die Person sich nachdenklich und baut zudem eine Brücke zu
anderen Textteilen auf. Weiterhin arbeitet von Kleist mit Mitteln der Ironie
und versieht seine Protagonisten mit beschreibenden Attributen.