Samstag, 15. November 2025

Kleists Leben um 1800

Heinrich Kleist


Um 1800 befand sich Kleist in einer Phase der beruflichen Orientierung. Er trug sich mit dem Gedanken, Wissenschaftler zu werden und strebte einen akademischen Beruf an.

Es war nicht der Beruf des Dichters dem jungen Kleist vor Augen stand, als er eines Tages unerschrocken mit den Traditionen seiner Familie brach und den Militärdienst quittierte. Wissenschaft als Beruf, wie es später Max Weber formulierte, war fraglos das Ziel seiner Wünsche. Er wendet sich bezeichnenderweise den exakten Naturwissenschaften zu und wählt zu seinem Hauptfach die Mathematik, die durch Kants Philosophie beträchtlich an Ansehen gewonnen hatte. Der Lebensplan, der entworfen wird, zeugt von Klarheit und zielgerichtetem Denken.

Aber die Enttäuschung läßt nicht lange auf sich warten. Die Vorbehalte gelten einem sich ausbreitenden Spezialistentum – jenen Brotgelehrten, von denen Schiller gesagt hatte, sie seien bestrebt, ihre Wissenschaften von allen übrigen abzusondern. Diesen Fachidioten, wie man sie bei uns vor einigen Jahren etwas forsch, aber nicht unzutreffend nannte, ist Kleist als angehender Naturwissenschaftler nicht sonderlich gewogen.

Im November 1800 war Kleist wieder in Berlin. Von den Erträgen, Folgen oder auch nur dem Anlass der Würzburger Reise ist nicht mehr die Rede, die Berufsfrage hängt noch immer in der Schwebe.

Um zu sehen, ob er sich für das "Commerz- und Finanzfach" eigne, hospitiert Kleist als Volontär bei den Sitzungen der Technischen Deputation des Königlichen Manufaktur-Kollegiums in Berlin. Die Beschäftigung mit Buchhaltungs- und Verwaltungstätigkeiten schreckt ihn ab.

Am 13. November 1800 schrieb er an seine Verlobte: "Ich will kein Amt nehmen. […] - ich kann es nicht. Ein eigner Zweck steht mir vor Augen, nach ihm würde ich handeln müssen, und wenn der Staat es anders will, dem Staate nicht gehorchen dürfen […). nein, Wilhelmine, es geht nicht, ich passe mich für kein Amt […]. es geht nicht, es geht nicht."
br> Ein halbes Jahr später, im Mai 1801, macht er erneut in Dresden Station und erlebt hier die heitersten Augenblicke seines Lebens; es sind solche der Selbstvergessenheit, also des Eintauchens ins Unbewußte. Aber das Unbewußte als Heilung oder Hoffnung wird erstrebt, indem mit dem Bewußtsein gerechnet wird; das eine verweist auf das andere: „Meine heitersten Augenblicke sind solche, wo ich mich selbst vergesse – und doch, gibt es Freude, ohne ruhiges Selbstbewußtsein?“ (II/648).

Heinrich Kleist und die Eiche im Sturm

Heinrich KleistEiche im Winter


Der Seelenmensch Heinrich von Kleist hat sich gern mit einer Eiche im Sturm verglichen. Das Motiv der Eiche fand immer wieder Eingang in seine Werke.

Was Kleist an ihr wahrnahm, erläuterte er in einem Brief aus dem Jahre 1801:


»Die abgestorbene Eiche, sie steht unerschüttert im Sturm, aber die blühende stürzt er, weil er in ihre Krone greifen kann.« (II/678).


Das Bild der Eiche kehrt fast wörtlich wieder im Drama »Die Familie Schroffenstein«. In diesem Drama wird es von Sylvester gebraucht:


»Die kranke abgestorbne Eiche steht Dem Sturm, doch die gesunde stürzt er nieder Weil er in ihre Krone greifen kann.« (I/84).


Auch gegen Ende des Dramas »Penthesilea« fand das Motiv sich wieder, und es ist Prothoe, die das, was hier geschehen ist, im Bild der Eiche deutete:


»Sie sank, weil sie zu stolz und kräftig blühte! Die abgestorbne Eiche steht im Sturm, Doch die gesunde stürzt er schmetternd nieder, Weil er in ihre Krone greifen kann.«
(I/428)

Samstag, 11. Oktober 2025

>»Der höhere Frieden« von Heinrich von Kleist



Wenn sich auf des Krieges Donnerwagen,
Menschen waffnen, auf der Zwietracht Ruf,
Menschen, die im Busen Herzen tragen,
Herzen, die der Gott der Liebe schuf:

Denk ich, können sie doch mir nichts rauben,
Nicht den Frieden, der sich selbst bewährt,
Nicht die Unschuld, nicht an Gott den Glauben,
Der dem Hasse, wie dem Schrecken, wehrt.

Nicht des Ahorns dunkelm Schatten wehren,
Daß er mich, im Weizenfeld, erquickt,
Und das Lied der Nachtigall nicht stören,
Die den stillen Busen mir entzückt.

»Der höhere Frieden« von Heinrich von Kleist (1792)

Samstag, 20. September 2025

Michael Kohlhaas Interpretationen



Heinrich von Kleists Kohlhaas-Erzählung ist ein besonderes Beispiel dafür, wie eine Angelegenheit von nur relativ geringer Bedeutung in einem Streit in juristische Fänge gerät, die man weniger schmeichelhaft gelegentlich als juristische Maschinerie bezeichnet. An deren Ende bekommt der Kläger in der Erzählung zwar Recht, verliert aber just darauf und in des Wortes direkter Bedeutung seinen Kopf.

Daß es dabei zu Anfang um zwei Pferde ging, für die in moderner Sprechweise die Einfuhrpapiere fehlten, weil nicht bekannt war, daß man sie benötigte, gehört zur Groteske der Geschichte. Deren Tragik entwickelt sich aus dem Umstand, daß besagte Papiere rechtens gar nicht haben verlangt werden dürfen, aber dennoch dazu geführt haben, daß zwei Pferde als Pfand hinterlassen werden mußten, die durch den Pfandnehmer in der Folge nicht gerade zimperlich behandelt wurden. Am Ende forderte der Kläger, Michael Kohlhaas, Schadensersatz für die unrechtmäßige Prozedur einschließlich deren menschliche Folgen.

Da er jedoch auf dem Rechtswege zunächst nicht zum Erfolg kam, weil seine Klage einfach verschlampt oder mit Absicht unterdrückt wurde, griff der Held der Erzählung zum Aufstand. Mit Hilfe seiner Knechte, Genossen unterschiedlicher Prägung und Motivation, jedenfalls unter Ausübung gehöriger Gewalt, tappte er seinerseits in eine juristische Falle, die des Landesfriedensbruches, ein Offizialdelikt nicht eben unbedeutenden Ausmaßes.

Die damit immer verwickelter werdende Geschichte resultiert unter anderem aus den Partikularinteressen der damals involvierten Länder und deren rechtlicher Hoheit - das 16. Jahrhundert, in dem die Geschichte sich ereignete, kannte nur deutsche Länder, kein Deutschland - so daß besagter Held schließlich sogar Martin Luthers Unterstützung für eine Amnestie erbat. Daß der große Martin Luther den armen Kohlhaas an die biblische Feindesvergebung zu erinnern versuchte, aber damit scheiterte, gibt dem rechtlichen Konflikt zusätzlich auch eine religiöse Note.

Mit dieser Amnestie, zu deren Empfehlung sich Luther schließlich durchrang, hatte es, kaum war sie gewährt bzw. in Aussicht gestellt, wiederum ihre eigene Rechtsbesonderheit, weil zu klären war, ob Kohlhaasens Schuld am Landfriedensbruch zu amnestieren oder ihm lediglich ein freies Geleit zum Gerichtsort zu gewähren sei oder beides zugleich, sofern er mit seiner Klage obsiegen würde. Da in die Rechtsklärung wiederum verschiedene deutsche Länder involviert waren, ließ sich voraussehen, daß der anzuwendende Interpretationsspielraum sich auch geographisch vergrößerte.

So berechtigt Kohlhaas' Kampf auch sein mag – Kleist zeigt auf, dass er eindeutig zu weit geht. Der Pferdehändler fragt nicht mehr danach, welche Mittel angemessen sein könnten, sondern stilisiert sich in einem regelrechten Gerechtigkeitswahn zum Helden, der gegen das Böse kämpft:

Er nannte sich einen Statthalter Michaels, des Erzengels, der gekommen sei, an allen, die in dieser Streitsache des Junkers Partei ergreifen würden, mit Feuer und Schwert die Arglist, in welcher die ganze Welt versunken sei, zu bestrafen. Dabei rief er das Volk auf, sich zur Errichtung einer besseren Ordnung der Dinge, an ihn anzuschließen.

Samstag, 22. März 2025

Historisches Vorbild des Michael Kohlhaas



"Des Dichters Reich sey die Welt in den Focus seiner Zeit gedrängt"

Novalis

Die Geschichte um den rachsüchtigen Pferdehändler beruht auf einer wahren Begebenheit, die vom Kaufmann Hans Kohlhase handelt, der nach sechsjähriger Fehde wegen Landfriedensbruch hingerichtet wurde.

Historisches Vorbild des Michael Kohlhaas ist die Figur des Hans Kohlhase, welcher zu Luthers Zeiten lebte. Er lebte in der Mitte des 16. Jahrhunderts in Cölln, einer Stadt an der Spree im Brandenburgischen und verdiente  sein  Geld  als Rosshändler. Am 1. Oktober 1532 machte der Kaufmann sich nichtsahnend auf den Weg nach Leipzig zu einer Messe.

Hans Kohlhase machte sich aus dem Brandenburgischen auf, um auf einer Messe seine Pferde zu verkaufen. Bei der Burg des Junkers Wenzel von Tronka wurde er unter dem Vorwand aufgehalten, er habe keinen Pass. Wohl oder übel ging er auf die Forderungen der betrunkenen Ritter und ihres Junkers ein. Er ließ zwei Pferde als Pfand und seinen Diener Herse zurück.

Auf dem weiteren Weg nach Leipzig hielten ihn Männer an und es kam zu einem Zwischenfall. Der Junker von Zaschnitz befahl seinen Leuten, Kohlhase zwei Pferde abzunehmen. Der Grund: Kohlhase habe sie gestohlen.

Der Bürger und Kaufmann Kohlhase stieß an die Grenzen des feudalen Rechtsstaates. Der sächsische Landvogt Hans Metzsch und auch der Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen deckten den Adligen.

Daraufhin erklärte Kohlhase in einem offenen Brief vom 12. März 1534 dem Land Sachsen und Günter von Zaschwitz die Fehde, womit Brandschatzung, Raub und Entführungen angekündigt wurden.

Da Kohlhase sich gegen diese Ungerechtigkeit auflehnte und sich wehrte, kam es zu einer Gerichtsverhandlung. Die jedoch brachte nicht das erhoffte Urteil und keine Einigung, mit der Hans Kohlhase zufrieden gewesen wäre.

Im Jahr 1534 beging  Kohlhase Selbstjustiz, da er ja vor Gericht nichts erreicht hatte. Er brannte in wilder Raserei viele Häuser in der Stadt Wittenberg nieder.

Nachdem sich Kohlhase mit einem Überfall auf einen brandenburgischen Silbertransport 1540 auch gegen den brandenburgischen Kurfürsten Joachim II. wandte, lockte dieser ihn unter Zusicherung freien Geleits nach Berlin und ließ den "Landfriedensbrecher" sowie dessen Freunde Georg Nagelschmidt und Thomas Meißner am 22. März 1540 auf dem Rabenstein, der Berliner Richtstätte vor den Toren der Stadt am heutigen Strausberger Platz, qualvoll rädern. Mit dem Spruch Georg Nagelschmidts "Gleiche Brüder, gleiche Kappen" lehnte Kohlhase eine "Begnadigung" mit dem Schwert ab.

Der Kaufmann Hans Kohlhase wurde mit seinen Gefolgsleuten nach sechsjähriger Fehde wegen Landfriedensbruch hingerichtet.1540 erfolgte seine Hinrichtung in Berlin durch Rädern, eine der schlimmsten Hinrichtungsmethoden überhaupt.

Samstag, 14. September 2024

Heinrich von Kleist als zeitloser Klassiker

Heinrich von Kleist

Der Dramatiker und Journalist Heinrich von Kleist war eine der größten Begabungen der deutschen Literatur. Der vielseitig begabte Dichter Kleist beherrschte mehrere Literaturgattungen und gilt als einer der grössten deutschen Dramatiker und steht mit seinem Schaffen zwischen der Klassik und der Romantik. Kleist bewegte sich in romantischen Dichterkreisen, seine bis heute modern wirkenden Dramen und Erzählungen entziehen sich allerdings schematischen Stil- und Epochenzuordnungen.

Kleist hat im Laufe ihres Werkes unterschiedliche Genres genutzt, um ihre Ansichten darzustellen. Seine vielseitigen Begabungen ließen ihn immer wieder Werke von zeitloser Dauer erschaffen. Er hatte mit seinem literarischen Schaffen jedoch wenig Fortune, fand keinen Gönner seiner Werke und lies sich keiner Epoche oder Stilrichtung recht zuzuordnen - letztere sind Umstände, die heute die Zeitlosigkeit seines Werkes begründen.

Heinrich von Kleist

Heute ist Heinrich von Kleist der modernste Dichter der klassischen Zeit - ein moderner Klassiker. Kleists Werke sind zeitlose Klassiker. Seine Werke sind eine Mischung aus Hoffnung, Verzweiflung, Mut und Angst - genau wie Kleists Leben. Kleist gind es um das Leben. Das macht ihn bis heute modern.

"Jede große und umfassende Gefahr gibt, wenn ihr wohl begegnet wird,
dem Staat, für den Augenblick, ein demokratisches Ansehen."

Heinrich Kleist

Bei Kleist begegneten sich ein Geist und eine Zeit und aus diesem Konflikt heraus sind seine Werke entstanden.
Es gibt Menschen, die tiefer sehen können als andere, in die Strukturen einer Gesellschaft, die mit größerer Klarheit Zusammenhänge und Verstrickungen erkennen und verstehen. Heinrich von Kleist war so ein Mensch.

Kleist war Dramatiker, Novellist und Journalist, der in den kurzen 34 Jahren seines Lebens am Ausgang des 18. Jahrhunderts dramatische Texte schuf, welcghe die Theaterwelt für immer verändert haben und bis heute bewegende und erkenntnsireiche Bühnenerlebsnisse bescheren.

Die Zeit und das, was Menschen durchlebten, kann man mit Kleist gut durchleben. Er ergriff das, was ihm in seinem Leben begegnet so entschieden, dass man durch ihn verstehen kann, was die Dinge einmal bedeutet haben. Kleist ließ sich von Ereignissen, Begegnungen und Erlebnissen regelrecht entzünden.

Ein Charakterzug Kleists, der so offentsichtlich ist, daß er nicht erwähnt wird: Kleist war extrem. In seinen erzählenden literarischen Werken und auf dem Theater ragt er durch Extreme heraus, sowohl in der Darstellung von menschlichen Bindungen und ihrem Scheitern, als auch in seinem radikalen Formwillen. Kleists Protagonisten sind von deutscher Innerlichkeit und Grübelei frei, sie handeln und scheitern in der Realität, das macht Kleists Werke bis heute für Leser in aller Welt so attraktiv.

Kleist war auf vielen Gebieten umtriebig und leidenschaftlich, sein Glücksstreben und sein Ideal, sich als freier Schriftsteller durchzusetzen, trieben ihn an. Er sehnte sich nach Ruhm, den er zu Lebzeiten nicht gewann, und nach einem Ruhepunkt in seinem Leben, den er erst in seinem in „unaussprechlicher Heiterkeit“ inszenierten Freitod fand.

Während der Dichter in den Zwanziger-, Dreißigerjahren als nationalkonservativ und urdeutsch rezipiert wurde, gilt er heute als literarischer Avantgardist und als Rebell.

Literatur:

Kleist. Dichter, Krieger, Seelensucher
Kleist. Dichter, Krieger, Seelensucher
von Peter Michalzik


Weblinks:

Heinrich von Kleist-Biografie - www.die-biografien.de

Heinrich von Kleist-Zitate - www.die-zitate.de

Man kann in Kleist jenen Dichter sehen, der die Moderne und ihre Meinung von Hobbes bis Rousseau, die Vernunft würde mit Kant das menschliche Sein bessern, Lügen straft. Der Traum der Vernunft gebiert Ungeheuer. Ist es nicht dieses Goya Bild, welches die Umkehrung zeigt, wie eben jener Kleist sich selbst erkennt in dem Moment, wo er merkt, wie gefährlich er sich selbst gegenüber ist?

Kleist - ein Dichter des Extremen

Heinrich von Kleist


Ein Charakterzug Kleists, der so offentsichtlich ist, daß er oft nicht erwähnt wird: Kleist war extrem. In seinen erzählenden literarischen Werken und auf dem Theater ragte er durch Extreme heraus, sowohl in der Darstellung von menschlichen Bindungen und ihrem Scheitern, als auch in seinem radikalen Formwillen.

»Ich passe nicht in die Welt« hatte er geschrieben. Kleists Extremismus ist in seinem rastlosen Leben und dem Umstand, daß er keinen Platz in der Gesellschaft und der Welt gefunden hat, begründet. Dieser Umstand schlug sich in den Werken und Figuren wieder. Kleists Protagonisten sind von deutscher Innerlichkeit und Grübelei frei, sie handeln und scheitern in der Realität, das macht Kleists Werke bis heute für Leser in aller Welt so attraktiv.

Nichts Abwegiges war ihm fremd.

Samstag, 20. Juli 2024

»Amphitryon« -- eine heitere Verwechslungskömödie

Amphitryon

In »Amphitryon« ist eine Verwechslungskomödie, basierend auf einem Lustspiel von Moliere, indem der griechische Gott Zeus des Amphitryons Frau Alkmene in dessen gestalt verkleidet beglückt. Aus dieser Tat entsinnt sich ein komplexes Verwechslungsstück, an dessen Ende Alkmene mit einem "Ach" erkennen muss, dass die göttliche Amphitryon Escheinung sie getäuscht und sie ihren eigenen Mann nicht erkannt hat.

Jupiter (Zeus) als eitler Liebhaber besucht als Amphitryon verkleidet dessen Gattin Alkmene und in der Liebesnacht zeugt er Herkules. Er becircst Alkmene, die dann antwortet: "Was brauchen wir, als nur uns selbst?" Und sie merkt, dass das Fortgehen ihres Gatten in den Kampf mehr ist für sie, wenn sie sagt: "das fühl ich, mein Amphitryon, [...], da ich zwei kurze Stunden dich besaß". Jupiter als Amphitryon fühlt sich als "Besieger dein, weil über dich zu siegen, die Kunst, die großen Götter mich gelehrt".

Sein Diener Sosias, der die Nachricht aus dem Kampflager Alkmene überbringen sollte, dass er, Amphitryon, selbst kommen werde, wird von Sosias Gegenspieler Merkur, ein Spiegelbild in Aussehen und Tat, aufs heftigste daran gehindert ("Dein Stock macht dich zum Herren meines Lebens"). Merkur vergnügt sich auch mit Charis, der Gattin Sosias'. Tags drauf kommt Amphitryon vom Kampffelde zu seiner Gattin, er begrüßt sie auf freudigste ob der langen Abwesenheit. Dieses hält Alkmene für blanken Hohn, war er doch gestern vermeintlich da. Amphitryon ist beleidigt, spricht von Untreue und in der Annahme, jeder handle gegen jeden, nimmt die Verwechselung ihren Lauf.

Heinrich von Kleists (1777 - 1811) Komödie »Amphitryon« geht es um ein doppeltes Doppelgängermotiv. Die beiden menschlichen Charaktere, der Feldherr Amphitryon und sein Diener Sosias, werden von den Göttern Jupiter und Merkur nachgeahmt. Dies führt zu einer großen Verwirrung unter allen Beteiligten, die während der gesamten Handlung anhält, sich erst kurz vor Schluss des Werkes auflöst und zum letztlich glücklichen Ende führt.

Ein Theaterstück über Personen, Verwechslungen und daraus entstehende Verwirrungen, herrliche Sätze, der Stil ungewohnt da altertümlich - eine heitere Verwechslungskömödie. Ein Stück über die Allmacht der gelangweilten Götter - und wohin ihre Spielchen die Menschen, Herrscher wie Bediensteten, führen und wie unterschiedlich jeder reagiert, der dem Schicksal (den Göttern) begegnet.

Das komödiantische Werk ist verhältnismäßig leicht zu lesen und recht unterhaltsam, außerdem auch nicht übermäßig anspruchsvoll.

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Sonntag, 21. Januar 2024

Heinrich Kleist in Königsberg

Heinrich Kleist
Im Jahr 1804 trat Kleist eine Beamtenstelle im preußischen Finanzministerium in Berlin an. Sein oberster Dienstherr, Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein (1757 – 1831), empfahl ihn im Frühjahr 1805 als Diätar an der Domänenkammer nach Königsberg, aber nach gut einem Jahr gab Heinrich von Kleist die Beamtenlaufbahn endgültig auf.

Dort verfasste der das Lustpiel »Der zerbdorchen Krug« und schrieb die Texte zu »Amphitryon" und »Penthesilea«.

»Hoffen wir auf den besseren Geist des Landes.«

Freitag, 12. Januar 2024

Kleist als zeitloser Klassiker

Heinrich von Kleist


Der Dramatiker und Journalist Heinrich von Kleist war eine der größten Begabungen der deutschen Literatur. Der vielseitig begabte Dichter Kleist beherrschte mehrere Literaturgattungen und gilt als einer der grössten deutschen Dramatiker und steht mit seinem Schaffen zwischen der Klassik und der Romantik. Kleist bewegte sich in romantischen Dichterkreisen, seine bis heute modern wirkenden Dramen und Erzählungen entziehen sich allerdings schematischen Stil- und Epochenzuordnungen.

Kleist hat im Laufe ihres Werkes unterschiedliche Genres genutzt, um ihre Ansichten darzustellen. Seine vielseitigen Begabungen ließen ihn immer wieder Werke von zeitloser Dauer erschaffen. Er hatte mit seinem literarischen Schaffen jedoch wenig Fortune, fand keinen Gönner seiner Werke und lies sich keiner Epoche oder Stilrichtung recht zuzuordnen - letztere sind Umstände, die heute die Zeitlosigkeit seines Werkes begründen.

Heinrich von Kleist

Heute ist Heinrich von Kleist der modernste Dichter der klassischen Zeit - ein moderner Klassiker. Kleists Werke sind zeitlose Klassiker. Seine Werke sind eine Mischung aus Hoffnung, Verzweiflung, Mut und Angst - genau wie Kleists Leben. Kleist gind es um das Leben. Das macht ihn bis heute modern.

"Jede große und umfassende Gefahr gibt, wenn ihr wohl begegnet wird,
dem Staat, für den Augenblick, ein demokratisches Ansehen."

Heinrich Kleist

Die Zeit und das, was Menschen durchlebten, kann man mit Kleist gut durchleben. Er ergriff das, was ihm in seinem Leben begegnet so entschieden, dass man durch ihn verstehen kann, was die Dinge einmal bedeutet haben. Kleist ließ sich von Ereignissen, Begegnungen und Erlebnissen regelrecht entzünden.

Heinrich von Kleist

Ein Charakterzug Kleists, der so offentsichtlich ist, daß er nicht erwähnt wird: Kleist war extrem. In seinen erzählenden literarischen Werken und auf dem Theater ragt er durch Extreme heraus, sowohl in der Darstellung von menschlichen Bindungen und ihrem Scheitern, als auch in seinem radikalen Formwillen. Kleists Protagonisten sind von deutscher Innerlichkeit und Grübelei frei, sie handeln und scheitern in der Realität, das macht Kleists Werke bis heute für Leser in aller Welt so attraktiv.

Kleist war auf vielen Gebieten umtriebig und leidenschaftlich, sein Glücksstreben und sein Ideal, sich als freier Schriftsteller durchzusetzen, trieben ihn an. Er sehnte sich nach Ruhm, den er zu Lebzeiten nicht gewann, und nach einem Ruhepunkt in seinem Leben, den er erst in seinem in „unaussprechlicher Heiterkeit“ inszenierten Freitod fand.

Literatur:

Kleist. Dichter, Krieger, Seelensucher
Kleist. Dichter, Krieger, Seelensucher
von Peter Michalzik


Weblinks:

Heinrich von Kleist-Biografie - www.die-biografien.de

Heinrich von Kleist-Zitate - www.die-zitate.de

Man kann in Kleist jenen Dichter sehen, der die Moderne und ihre Meinung von Hobbes bis Rousseau, die Vernunft würde mit Kant das menschliche Sein bessern, Lügen straft. Der Traum der Vernunft gebiert Ungeheuer. Ist es nicht dieses Goya Bild, welches die Umkehrung zeigt, wie eben jener Kleist sich selbst erkennt in dem Moment, wo er merkt, wie gefährlich er sich selbst gegenüber ist?

Samstag, 17. September 2022

Kleist Rezeption (E)

Der Dramatiker und Journalist Heinrich von Kleist war eine der größten Begabungen der deutschen Literatur. Der vielseitig begabte Dichter Kleist beherrschte mehrere Literaturgattungen und gilt als einer der grössten deutschen Dramatiker und steht mit seinem Schaffen zwischen der Klassik und der Romantik.

Heinrich von Kleist

Heinrich von Kleistder modernste Dichter der klassischen Zeit - ein moderner Klassiker. Kleists Werke sind zeitlose Klassiker. Seine Werke sind eine Mischung aus Hoffnung, Verzweiflung, Mut und Angst - genau wie Kleists Leben. Kleist gind es um das Leben. Das macht ihn bis heute modern.

Kleist war ein Dichter der Extreme. Nichts Abwegiges war ihm fremd. Seine Figuren sind
Kleist war auf vielen Gebieten umtriebig und leidenschaftlich, sein Glücksstreben und sein Ideal, sich als freier Schriftsteller durchzusetzen, trieben ihn an. Er sehnte sich nach Ruhm, den er zu Lebzeiten nicht gewann, und nach einem Ruhepunkt in seinem Leben, den er erst in seinem in „unaussprechlicher Heiterkeit“ inszenierten Freitod fand.

Kleist-Rezeption in der DDR.
Literatur:

Kleist. Dichter, Krieger, Seelensucher
Kleist. Dichter, Krieger, Seelensucher
von Peter Michalzik

»Michasel Kohlhaas« Erzählung



An den Ufern der Havel lebte, um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, ein Rosshändler namens Michael Kohlhaas, einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit. - Dieser außerordentliche Mann würde, bis in sein dreißigstes Jahr für das Muster eines guten Staatsbürgers haben gelten können. Das Rechtgefühl aber machte ihn zum Räuber und Mörder.


Michael Kohlhaas, der knapp über 30 Jahre alte Sohn eines Schulmeisters, lebt mit seiner Frau Lisbeth und seinen fünf Kindern als rechtschaffener Pferdehändler in Kohlhaasenbrück an der Havel.

Der Rosshändler Kohlhaas macht sich aus dem Brandenburgischen auf, um auf einer Messe seine Pferde zu verkaufen. Als er wieder einmal eine Koppel Pferde nach Dresden bringen will, um sie dort zu verkaufen, trifft er an der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen auf einen neuen Schlagbaum in der Nähe einer Burg auf sächsischem Gebiet. Vom Zöllner erfährt er, dass der alte Schlossherr einem Schlaganfall erlag und das Gebiet nun dem Junker Wenzel von Tronka gehört.

Nachdem Michael Kohlhaas den Zoll bezahlt hat, will er weiterziehen, aber der Burgvogt ruft ihn zurück und verlangt seinen Pass zu sehen. Er wird unter dem Vorwand aufgehalten, er habe keinen Pass. Der Pferdehändler passierte diese Grenze bereits siebzehn Mal, und noch nie fragte ihn jemand nach einem Pass, da aber der Burgvogt darauf besteht, verspricht Kohlhaas, sich in Dresden um ein entsprechendes Dokument zu kümmern.

Als Pfand muss er zwei Rappen zurücklassen. Während seiner Abwesenheit soll sein zuverlässiger Knecht Herse auf die Tiere aufpassen. Die als Pfand zurückgelassenen Rösser werden geschunden, der Knecht, der auf die Pferde achten sollte, wird geschlagen und heimgeschickt.

"Das sind nicht meine Pferde, gestrenger Herr!
Das sind die Pferde nicht, die dreißig Goldgulden wert waren!
Ich will meine wohlgenährten und gesunden Pferde wieder haben!"





In Dresden stellt sich heraus, dass es einen Pass wie den geforderten überhaupt nicht gibt. Es hat sich also um einen Willkürakt gehandelt.

Als Kohlhaas nach dem Verkauf der restlichen Pferde wieder zu der Burg an der Grenze kommt, findet er statt seiner wohlgenährten Rappen zwei jämmerliche Mähren vor, und den Knecht hat man davongejagt. Der Händler lässt seine beiden Gäule stehen und eilt nach Hause, wo ihm der Knecht Herse berichtet, was vorgefallen ist: Der Burgverwalter ließ die beiden Rappen als Zugtiere bei der Feldarbeit einsetzen und in einem Schweinekoben unterbringen, in dem sie noch nicht einmal aufrecht stehen konnten. Als Herse die besudelten Tiere zur Schwemme außerhalb der Burg führen wollte, um sie zu säubern, hetzte man ihm die Hunde nach und prügelte ihn halb tot.

Michael Kohlhaas reicht in Dresden eine gerichtliche Klage gegen Junker Wenzel von Tronka ein. Monatelang wartet er auf eine Nachricht. Erst im folgenden Jahr erfährt er, dass die Klage auf Veranlassung des Mundschenks Hinz von Tronka und des Kämmerers Kunz von Tronka niedergeschlagen wurde. Der Stadthauptmann Heinrich von Geusau, zu dessen Regierungsbezirk auch Kohlhaasenbrück gehört, rät Kohlhaas, den Kurfürsten von Brandenburg in einer Supplik um landesherrlichen Schutz gegen das in Sachsen erlittene Unrecht zu bitten. Der Kurfürst delegiert die Angelegenheit an seinen Kanzler, Graf Kallheim, aber der hintertreibt sie, weil er mit denen von Tronka verschwägert ist. In der Resolution heißt es, Kohlhaas sei ein Querulant.

Eine neue Bittschrift will Lisbeth Kohlhaas dem Kurfürsten persönlich überbringen, doch eine übereifrige Wache stößt sie mit dem Lanzenschaft so heftig vor die Brust, dass sie im Liegen nach Hause gebracht werden muss und ein paar Tage später stirbt. Selbst Trauer lässt diese Welt nicht zu, Bei der Beerdigung seiner Frau bekommt Kohlhaas den Brief, daß er - unter Androhung von Gefängnis - keine Eingaben in der Sache zu machen braucht.

Nach ihrem Tod ruft Michael Kohlhaas seine sieben Knechte zusammen, greift zu den Waffen, bewaffnet sie und reitet mit ihnen zu der Burg des Junkers Wenzel von Tronka. Sie brennen die Gebäude nieder. Der Vogt und der Verwalter kommen mit ihren Frauen und Kindern ums Leben. Dem Junker aber gelingt es, sich in das von seiner Tante Antonia von Tronka geleitete Damenstift von Erlabrunn zu retten. Als Michael Kohlhaas mit seinen Mannen dort eintrifft, ist Wenzel von Tronka bereits weiter nach Wittenberg geflohen. Mit Plakaten fordert Kohlhaas dazu auf, "seine Sache gegen den Junker von Tronka, als dem allgemeinen Feind aller Christen" zu unterstützen. Dreimal steckt er Teile von Wittenberg in Brand, und mit seiner kleinen Streitmacht besiegt er den mit 500 Mann heranziehenden Prinzen Friedrich von Meißen.

Als Martin Luther dem Rebellen auf öffentlichen Anschlägen "Ungerechtigkeit" und den "Wahnsinn stockblinder Leidenschaft" vorwirft, dringt dieser verkleidet zu ihm vor und setzt ihm seine Sache auseinander.

Luther lässt sich auf ein Gespräch mit Kohlhaas ein, der in diesem Augenblick über seine inneren Beweggründe reden kann. Hier werden die Fragen von der (Un-) Möglichkeit gerechtfertigter Gewalt und legitimen Widerstands explizit erörtert.

Luther versteht ihn nun, zeigt Verständnis und verfasst eine Bittschrift, um die Luther kämpfte. Damit kann Kohlhaas nach Dresden weiterziehen. Er hat freies Geleit und er will in dieser Stadt ein neues Verfahren vor Gericht anstreben.

Luther verspricht, sich für ihn zu verwenden und schickt am nächsten Tag ein Schreiben an den Kurfürsten von Sachsen, der daraufhin Kohlhaas freies Geleit zusichert, damit er seine Klage nochmals in Dresden vertreten kann.

Kohlhaas löst unverzüglich seine Kriegshaufen auf, reist in die sächsische Hauptstadt und trägt seinen Fall dem Großkanzler des Gerichts vor. Der verweist ihn an einen anderen Advokaten, der die Klage formulieren soll.

Die Anwälte des Junkers geben einmal vor, der Vorfall am Schlagbaum habe sich ohne Wissen und Beteiligung ihres Mandanten abgespielt und schieben die Schuld auf den Burgvogt und den Verwalter, die bei dem Überfall auf die Burg ums Leben kamen. Dann wieder behaupten die Verteidiger, die Rappen seien bereits bei der Ankunft an der Grenze unverkennbar krank gewesen. Der Junker habe deshalb nur seine Pflicht erfüllt, sie nicht auf sächsisches Territorium zu lassen.

Als Graf Kallheim den Großkanzler des Gerichts ablöst und der vorübergehend abwesende Polizeichef durch einen weiteren Parteigänger Wenzels von Tronka vertreten wird, sieht Michael Kohlhaas seine Chancen sinken. Schädlich für ihn ist auch die Nachricht, dass sein ehemaliger Gefolgsmann Nagelschmidt sich als sein Statthalter ausgibt, auf eigene Faust eine Räuberbande rekrutiert hat und plündernd durchs Land zieht. Den Wachen, die nach Kohlhaas' Ankunft aufgestellt wurden, um ihn zu beschützen, hat man jetzt offensichtlich befohlen, ihn festzuhalten.

Als Nagelschmidt einen Boten zu Michael Kohlhaas schickt und ihm die gewaltsame Befreiung anbietet, geht dieser in seiner Verzweiflung darauf ein. Aber die Behörden, die den Boten schon vorher abgefangen hatten und ihn seinen Auftrag nur zum Schein ausführen ließen, wissen Bescheid.

Wegen der neuen Verschwörung wird Michael Kohlhaas in Dresden zum Tod verurteilt, aber der Kurfürst von Brandenburg rettet ihn, indem er ihn als Untertan reklamiert und im Einverständnis mit dem Kurfürsten von Sachsen nach Berlin bringen lässt.

Während Ritter Friedrich von Malzahn mit dem Delinquenten nach Berlin reist, nimmt der Kurfürst von Sachsen an einer Jagd teil. Als die Jagdgesellschaft davon hört, dass der berüchtigte Rebell in der Nähe sei, überredet Heloise, die Ehefrau des Kämmerers Kunz, den Kurfürsten, sich den Pferdehändler inkognito anzusehen. Der Kurfürst fragt den Gefangenen nach der Bleikapsel, die dieser an einem Seidenfaden um den Hals trägt. Kohlhaas erzählt, wie er den darin aufbewahrten Zettel vor sieben Monaten in Jüterbock unter ungewöhnlichen Umständen von einer Wahrsagerin zugesteckt bekam. Der Kurfürst von Sachsen bricht ohnmächtig zusammen und ist tagelang schwer krank.

Schließlich verrät er dem Kämmerer im Vertrauen, was es mit dem Zettel auf sich hat. Er hielt sich damals zu Verhandlungen mit dem Kurfürsten von Brandenburg in Jüterbock auf. Eine Zigeunerin auf dem Marktplatz forderten sie auf, etwas sofort Überprüfbares zu prophezeien. Auf diese Weise wollten sie die Frau vor allen Leuten lächerlich machen. Sie sagte vorher, ein vom Sohn des Gärtners im Schlosspark aufgezogener Rehbock werde auf den Marktplatz kommen.

Um sicher zu gehen, schickte der Kurfürst von Brandenburg einen Boten mit dem Befehl ins Schloss, das Tier sofort zu erlegen. Die Zigeunerin las ihm Gutes aus der Hand, aber als auch der Kurfürst von Sachsen die Hand ausstreckte, schrieb sie den Namen des letzten Regenten seines Hauses auf, dazu das Jahr, in dem er seine Herrschaft durch Waffengewalt verlieren werde und den Namen seines überlegenen Herausforderers. Den zusammengefalteten und versiegelten Zettel übergab sie einem der Umstehenden. Die beiden Kurfürsten hielten das alles für einen Spaß – bis der große Schlachterhund auf dem Marktplatz auftauchte und sie bemerkten, dass er den toten Rehbock herangeschleift hatte. Natürlich wollte der sächsische Kurfürst nun unter allen Umständen wissen, was die Wahrsagerin aufgeschrieben hatte, aber sie war ebenso verschwunden wie der Mann mit dem Zettel.

Inzwischen hat der Kaiser von Michael Kohlhaas' Rachefeldzug gehört, den Fall an sich gerissen und seinem Hofassessor Franz Müller anvertraut. Ein Todesurteil ist nicht mehr aufzuhalten.

In seinem Testament setzt Michael Kohlhaas einen Vormund für seine fünf Kinder ein. Von der Wahrsagerin erhält er ein Briefchen mit der Warnung, der Kurfürst von Sachsen werde sich inkognito unter die Zuschauer am Richtplatz mischen und noch im letzten Augenblick auf eine Gelegenheit lauern, an den für ihn so wichtigen Zettel zu kommen.

Michael Kohlhaas wird zum Schafott geführt. Der Kurfürst von Brandenburg hebt an: "Nun, Kohlhaas, heut ist der Tag, an dem dir dein Recht geschieht!"
Der Junker Wenzel von Tronka wird zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt. Der Pferdehändler bekommt alles zurückerstattet, die beiden Rappen, die sich inzwischen wieder gut erholt haben, die Wäsche, die der Knecht Herse auf der Burg hatte zurücklassen müssen und den Geldbetrag, der zur Wiederherstellung seiner Gesundheit erforderlich gewesen war. Zufrieden schenkt Kohlhaas die Pferde seinen beiden Söhnen Heinrich und Leopold und die übrigen Güter der Mutter des bei den Unruhen ums Leben gekommenen Knechts Herse.

Daraufhin fordert ihn der Kurfürst auf, auch das kaiserliche Urteil wegen Landfriedensbruchs zu akzeptieren. Der Kurfürst rief:

»Nun, Kohlhaas, der Rosshändler, du, dem solchergestalt Genugtuung
geworden, mache dich bereit, kaiserlicher Majestät, deren Anwalt hier steht,
wegen des Bruchs ihres Landfriedens deinerseits Genugtuung zu geben!«

Das letzte Stündchen von Kohlhaas hat geschlagen. Kohlhaas reißt sich das Amulett ab, nimmt den Zettel heraus, zerbricht das Siegel, liest und verschluckt das Papier. Dann lässt er sich widerstandslos köpfen. Im Publikum sinkt ein Herr, den niemand erkennt, ohnmächtig zu Boden.


Am Ende wird der Gerechtigkeit Genüge getan: Kohlhaas wird für seine Vergehen geköpft, gleichzeitig wird aber auch dem Junker von Tronka der Prozess gemacht. Damit ist im Tod von Kohlhaas die Welt, die aus den Fugen war wiederhergestellt.

Wie um das zu bekräftigen, werden Kohlhaas Söhne zu Rittern geschlagen. Der Kurfürst von Brandenburg schlägt die beiden Söhne des Hingerichteten zu Rittern und bestimmt, dass sie an einer Pagenschule erzogen werden.